Klerikalismus oder Selbstverteidigung?
Die politischen Kämpfe des Katholischen Kreises von Szeged 1911–1914
DOI:
https://doi.org/10.54231/ETSZEMLE.2023.1.4Schlagwörter:
Dualismus, politischer Katholizismus, Lokalgeschichte, Nachwahlen, Diözese Csanád, konfessionelle KonflikteAbstract
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es in vielen Teilen Europas zu einem Wandel in den Beziehungen zwischen Kirche und Staat einerseits und zwischen Kirche und Gesellschaft andererseits. In Ungarn bemühte sich die römisch-katholische Kirche im Anschluss an die Kirchenrechtsreform von 1894–1895 darum, ihre Position zu sichern und zu stärken, teils durch die Hervorhebung ihrer Traditionen und ihrer historischen Bedeutung, teils durch das Bekenntnis zur Erneuerung. Ein wichtiges Phänomen war die Stärkung der Beziehungen zwischen Klerus und Gemeinde durch die Verbreitung neu gegründeter religiöser Sozialorganisationen. Im Laufe der Zeit wurden diese Vereinigungen auch zu einem Mittel, um die politischen und öffentlichen Ziele der Kirche zu erreichen. Der 1908 gegründete Katholische Kreis von Szeged (Szegedi Katolikus Kör) setzte seinen energischen politischen Kampf zum Schutz und zur Stärkung der katholischen Interessen 1911 und 1914 fort. In diesen beiden Jahren fanden Nachwahlen im 1. Bezirk von Szeged statt. Beide Wahlen erlangten nationale Bedeutung. Der Hauptgrund für das öffentliche Interesse lag darin, dass sich die Szegeder Gruppe der Nationalen Arbeiterpartei (Nemzeti Munkapárt) während des Wahlkampfs entlang konfessioneller Linien spaltete, und fast dasselbe geschah auch im Jahr 1914. István Tisza, Károly Khuen-Héderváry, Vilmos Vázsonyi und Károly Eötvös sind bedeutende Persönlichkeiten der nationalen Politik, die an den Ereignissen teilnahmen, doch die Hauptrolle spielten lokale Männer, die als Sprecher des Katholischen Kreises von Szeged auftraten. Sie traten öffentlich in Erscheinung und betonten den unpolitischen Charakter ihres Kreises sowie die Bedeutung der Nächstenliebe und der Wahrung des Friedens zwischen den Konfessionen, während sie nicht nur gegen den regierungsfreundlichen jüdischen Kandidaten des Wahlkreises kämpften, sondern auch gegen diejenigen, die ihn unterstützten und sich dabei hinter der Idee der Verteidigung des Christentums, d. h. des Katholizismus, versteckten. Im Jahr 1911 gelang es ihnen, sich durchzusetzen, doch 1914 gerieten sie in eine Sackgasse und scheiterten schließlich.
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