Die Entstehung und die Schwierigkeiten einer reformierten Gemeinde in einem Dorf in der ungarischen Tiefebene (Lajosmizse, 1877–1940)
DOI:
https://doi.org/10.54231/ETSZEMLE.2022.3.4Schlagwörter:
Gemeindeverwaltung, reformierte Kleingemeinde, katholische lokale Vorherrschaft, konfessionelle KonflikteAbstract
Die Studie befasst sich mit der Gründung einer protestantischen (reformierten) Gemeinde in Lajosmizse, einem Dorf im Komitat Pest-Pilis-Solt-Kiskun, das etwa 65 Kilometer südöstlich von Budapest liegt. Lajosmizse wurde 1877 gegründet, als es sich von seiner Mutterstadt Jászberény trennte, die im Zuge der „Jászkun-Erlösung“ von 1745 die drei als Puszta bekannten Gebiete (Bene, Lajos, Mizse) erworben hatte. Zwei Faktoren spielten bei dem Streben nach Unabhängigkeit eine entscheidende Rolle: Zum einen war es die Unterstützung der Franziskaner von Jászberény für die Gründung einer neuen römisch-katholischen Siedlung, zum anderen der Widerstand wohlhabender Bauern, die im Wesentlichen die Doppelbesteuerung durch die Stadt und die Puszta loswerden wollten. Diese Koalition sicherte die Errichtung eines lokalen Regimes, in dem wohlhabende „redemptus“- und „irredemptus“-Bauern die führende Rolle in der Leitung der Siedlung spielten; da sie jedoch ebenfalls katholisch waren, erstreckte sich die Autokratie der katholischen Kirche über die gesamte politische Siedlung. Diese Konzentration politischer Macht und kultureller Homogenität wurde durch die neu angesiedelte reformierte Gemeinde bereichert, die jedoch vom ersten Moment an den Unmut der katholischen Mehrheit und insbesondere die Autokratie des Priesters zu spüren bekam. Das Hauptziel der Analyse besteht darin, die Organisation und die Institutionen der reformierten Kleingemeinde sowie deren Bestrebungen zum Bau einer Kirche darzustellen, die schließlich 1902 eingeweiht wurde. Ich werde insbesondere die Konflikte beschreiben, die von Zeit zu Zeit zwischen den Führern der beiden Kirchen auftraten. Einige Themen mögen heute banal erscheinen, wie etwa die Auseinandersetzungen zwischen jungen Männern, andere spiegeln wirtschaftliche Probleme wider (z. B. den Kauf von Land durch die reformierte Bevölkerung, das Fällen von Bäumen), und wieder andere könnten als ideologisch angesehen werden. Zu letzteren gehörten beispielsweise Fälle, die sich aus den Unterschieden zwischen kirchlichen und staatlichen Schulen ergaben, die Frage der Anbringung von Kruzifixen in Schulen sowie die konfessionelle Zugehörigkeit der an staatlichen Schulen tätigen Lehrkräfte. Aus dem vorgestellten Material geht jedoch klar hervor, dass es vor allem die charismatische moralische Haltung des Pfarrers und des Pastors war, die die angespannten Beziehungen zwischen den beiden Konfessionen beeinflusste.
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