„Wir führen recht gute Gespräche mit Seiner Eminenz …“
Die Beziehung zwischen Jusztinián Serédi und Miklós Horthy im Lichte der Aufzeichnungen von Miklós Esty
DOI:
https://doi.org/10.54231/ETSZEMLE.27.2026.2.4Schlagwörter:
Beziehungen zwischen Kirche und Staat, Miklós Esty, Miklós Horthy, Beziehungen zwischen Katholiken und Protestanten, Jusztinián Serédi, MischehenAbstract
Diese Studie nutzt das Tagebuch von Miklós Esty, um die Entwicklung der Beziehungen zwischen Jusztinián Serédi und Miklós Horthy zwischen 1933 und 1944 nachzuzeichnen. Miklós Esty (1895–1973) diente als Gentiluomo und persönlicher Diener mehrerer aufeinanderfolgender Erzbischöfe von Esztergom und hielt ab 1933 seine Erlebnisse und die ihm zur Kenntnis gelangten Informationen sehr detailliert fest. Esty hatte eine besondere Perspektive: Aufgrund seiner vertrauten Beziehung zu Serédi hatte er Einblick sowohl in persönliche Angelegenheiten als auch in Fragen der Kirchenpolitik und – da sein Amt ihn auch zum „Protokollchef“ des Primas machte – in die sich entwickelnden symbolischen Beziehungen zwischen Kirche und Staat.
In der Geschichtsschreibung ist Serédi als Prälat in Erinnerung geblieben, der sich in der Politik gut auskannte, sie aber nie mochte, und dessen klösterliche Veranlagung und zurückhaltende, zurückgezogene Art ihn grundsätzlich besser für die wissenschaftliche Arbeit prädestinierten. Seine Lage wurde nicht dadurch erleichtert, dass das Land nicht von einem „apostolischen König“, sondern von einem calvinistischen Regenten geführt wurde, während die weltweite katholische Kirche im Rahmen des „zweiten Konfessionszeitalters“ bestrebt war, die Loyalität und konfessionelle Identität der Gläubigen zu stärken. Zeitgenossen waren daher oft der Ansicht, dass Serédi, wie es der Diplomat György Barcza formulierte, Horthy in erster Linie als Calvinisten und erst in zweiter Linie als Staatsoberhaupt betrachtete.
Miklós Estys Tagebuch verändert dieses Bild nicht grundlegend, fügt ihm jedoch wichtige Nuancen hinzu. Serédis Rang als Kardinal und Fürstprimas, die Erwartungen des Apostolischen Stuhls und die ausdrücklichen Bestimmungen des kanonischen Rechts schränkten seinen Handlungsspielraum gegenüber dem Regenten erheblich ein. Dennoch war sein Verhalten nicht von starrem Widerstand geprägt. Vielmehr suchte er, die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen, um sowohl seine persönlichen als auch seine institutionellen Beziehungen zum Staatsoberhaupt zu verbessern. Auf diese Weise gelang es ihm, bei Horthy ein Maß an Vertrauen aufzubauen, das es ihm ermöglichte, in heiklen Fragen, wie etwa der Frage der stellvertretenden Regentschaft, entschlossene und prinzipientreue Positionen einzunehmen. Auch der Gentiluomo des Kardinals spielte in diesem Prozess eine Rolle, da er seinem Arbeitgeber generell riet, auf „Fairplay“, die Diskussion von Problemen und offene Kommunikation zu setzen.
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