Wem soll das Waisenhaus gehören? Maria Theresias Stiftung zur Gründung des Waisenhauses in Debrecen und ein Jahrhundert kontroverser Diskussionen über dessen konfessionellen Charakter
DOI:
https://doi.org/10.54231/ETSZEMLE.26.2025.4.5Schlagwörter:
Debrecen, Confessionalization, 18th-19th century, Orphanages, Care of orphans, Religious disputesAbstract
Im Jahr 1760 gewährte die Stadt Debrecen der königlichen Schatzkammer ein Darlehen in Höhe von 30.000 Gulden, um die Kosten des Krieges gegen Preußen zu decken. Vierzehn Jahre später beschloss die Stadt, dieses Darlehen als Geschenk an Maria Theresia zu betrachten. Dieses großzügige Geschenk wendete sich jedoch gegen die Stadt selbst, als die Kaiserin beschloss, die Mittel für die Gründung eines katholischen Waisenhauses in einer überwiegend calvinistischen Stadt zu verwenden. Unter Berücksichtigung der calvinistischen Mehrheit in der Bevölkerung legte sie die konfessionellen Ziele der Einrichtung nicht klar fest, was zu endlosen Konflikten hinsichtlich des religiösen Glaubens der Pflegekinder führte. Auf der einen Seite stand eine städtische Behörde, die behauptete, Maria Theresia habe beabsichtigt, sich um alle lokalen Waisenkinder unabhängig von ihrer Konfession zu kümmern. Auf der anderen Seite verteidigten das katholische Bistum Oradea und der Lieutenancy Council den katholischen Charakter dieser Einrichtung. Der Streit sollte vom Gericht in Wien beigelegt werden, doch aufgrund der religiösen und politischen Lage im Königreich Ungarn verschob das Gericht die Entscheidung um Jahrzehnte. Die unklare Formulierung der Gründungsurkunde und die zögerliche Haltung des Wiener Gerichts führten dazu, dass die Stiftung ihre Tätigkeit erst 85 Jahre nach ihrer Gründung aufnehmen konnte.
Die Studie untersucht den Verlauf des Streits um die Gründung und konfessionelle Ausrichtung des Waisenhauses in Debrecen im Kontext der Entwicklung der religiösen Beziehungen und der institutionellen Betreuung von Waisenkindern im Königreich Ungarn.
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